PRESENT

The Company Deal

Intro

Da kulturelle Arbeit und diese Sparte immer mehr den Zusammenhalt verlor, entschied sich Larissa kurzerhand beim reichsten Unternehmen der Welt zu arbeiten. In der wahrscheinlich größten Krise nach dem zweiten Weltkrieg für die Gesellschaft und dem kommenden erfolgreichsten Geschäft des Jahres für die Fabrik.

 

Es war die Zeit wo unverheirateten Frauen wieder gewünscht wurde doch endlich Ihrer wahren Berufung nachzugehen, nämlich der der Familie und Hausfrau. Larissa wurde der Lehre unterzogen, dass Arbeit etwas ganz anderes ist und diese doch endlich am besten hart für ihr Geld arbeiten gehen sollte, wenn diese mal wieder bei Bier und Wein mit der Arbeiterklasse sich austauschte.

Kapitel I

Sie saß nicht am Schreibtisch, sondern hatte Ihren Laptop mit ins Bett genommen. Der Sommer war vorbei und die schwere des Winters kehrte langsam ein. Larissa hatte sich kurz vor der zweiten Welle der Pandemie eine kleine Wohnung mit Studioqualität eingerichtet. Im Grunde fühlte sie sich nicht als Kulturschaffende, sondern mehr als etwas studiertes ohne wirkliche Chance am Arbeitsmarkt. Und somit hatte sie ihr Leben immer mit eigenen Projekten ausgefüllt und selbst bestimmt. Wie viele dieser Generation fehlte es jedoch an regelmäßigem Einkommen. Larissa war auch keine clevere Geschäftsfrau sondern Idealistin.

Die Pandemie traf sie nicht besonders, sie kannte diese Zustände sehr gut. Keine sozialen Kontakte, nicht verreisen können und der Konsum wurde unmöglich gemacht. Vielmehr überkam sie eine ungewöhnliche Langeweile, da mit dem Studio für alles gesorgt war und diese sich in die Arbeit hätte stürzen können. Doch sie surfte mal wieder ohne wirkliches Ziel durchs Internet und sozialen Medien. Und genau das, brachte sie auf eine zugeschnittene Stellenanzeige im Browser.

Die Stellenanzeige suchte nach kurzfristigen Saisonarbeiter im Turbokapitalismus. Es lass sich jedoch wie der amerikanische Traum, sich vom Tellerwäscher zum Millionär hoch arbeiten zu können. Jeder kannte diese Fabrik. Sie selbst hatte ihre halbe Wohnung damit eingerichtet, und somit den Platzhirschen in dem Geschäft geholfen zu verdrängen. Jeder hatte diese Plastiktüten und Pakete schon mal in der Hand gehabt. Die Bewerbung schickte Larissa noch am selben Tag ab und nach kurzer Prüfung wurde der Prozess auch schon automatisiert. Ein Rückruf, ein Termin für eine Onlinekonferenz, der die Sicherheitsregeln der Fabrik erklären sollte. Larissa aß Chips dabei. Roboter, Westen, Warenbänder, Badge, Abstandstandsegeln etc. Das hörte sich nach einer Reise in die Zukunft an. Sie sagte zu und ab dann hieß ihr Tag: DAY 0.

 

Arbeitsverträge hatte Larissa bis dato nur mit Anwesenheit der Geschäftsführung unterschrieben. In der Fabrik würde ihr DAY 0 jedoch komplett anders verlaufen. Sie wurde gebeten noch am selben Tag mit kompletten Unterlagen auf dem Gelände im Zelt erst mal zur Fiebermessung anzutreten und dann ins Gebäude zum unpersönlichen „Sign Contract“ zu kommen. Die Fiebermessung war nicht das was Larissa aufstoßen ließ, es herrschte Pandemie. Nein, sie erwarte eine Art Flüchtlingscamp mit Zelt in der Mitte. Und genau das war die Fabrik.

Sie konnte sich jetzt noch entscheiden ob Sie lieber ein Leben als Zombie in der Nachtschicht oder ein sinnloses und täglich wacht das Murmeltier Leben führen wollte in der Tagesschicht. Aus ihrem natürlichem Rhythmus heraus entschied diese sich für das Murmeltier und die typische Praktikantin erklärte: „Ok, die Unterlagen sind komplett, wir sind den Vertrag durchgegangen, bitte unterschreiben Sie hier und hier und hier…“ Fertig. Und ganz groß über dem kommenden Weihnachtszelt standen die Ethikregeln, aber jeder wusste das die Fabrik Weiß gestrichen war von innen.

 

Larissa stieg in den Bus heimwärts. Was hatte sie da gerade getan? Es war zu spät, morgen begann DAY 1. Auf dem Weg fing sie an die berühmte künstliche Intelligenz der Fabrik zu programmieren, denn auch sie besaß diesen kleinen Lautsprecher der mit Daten gefüttert werden wollte seit einem Jahr. Sie rechnete aus, wann sie aufstehen musste und stellte den Wecker auf 5 Uhr morgens.

 

 

Kapitel II

Wieder im großen Zelt, am nächsten Tag, wurde Larissa in eine Gruppe geteilt. Sie bekam eine Trinkflasche und ihren ganz persönlichen Badge mit Foto und Strichcode, um sich ein und auszustempeln in der Fabrik. Die Fabrik war laut und die Bänder liefen schnell über ihnen vorbei. Die Gruppe hatte Mikrofone an, um die zweitägige Schulung und Kommunikation trotz Pandemie-Mund und Nasenschutzpflicht besser zu verstehen. Es wurde seit der ersten Sekunde strikte Abstandshaltungskommandos gegeben. Somit wurde auch jeglicher sozialer Austausch der Neuen untereinander so gut wie unterdrückt. Der Arbeitsplatz blieb bis DAY 2 der gleiche und die Einführung verlief fast reibungslos, danach war der im Rang noch untenstehende Menschenführer nicht mehr im Rücken. Die ständige Optimierung und Überwachung ihres Arbeitsprozesses bemerkte Larissa jedoch erst später.

Larissa war froh die halb automatisierte Schulung mit großer Hilfe des Fabriksystems erfolgreich absolviert zu haben. Jedoch ab jetzt hieß es am arbeiten zu bleiben, die Fabrik musste 24 Stunden im Betrieb gehalten werden. Die härtesten Tage standen bevor, die Black Friday und Cyber Monday Woche, das Weihnachtsgeschäft und der kommende Lockdown. Nie zuvor hatte die Fabrik auf diesen Hochtouren laufen müssen und ein neuer Rekord stand zu brechen. Larissa kam nach Hause und war froh noch etwas schnell zu essen und ihrem Körper Regeneration schenken zu können. Sie freute sich zunächst, wie die nun aktivierte KI ihr das neue Leben erleichtern wollte, denn auch sie stand im Dienste der Fabrik und hatte eine neue Kollegin zu behüten.

Kapitel III

Die Pausen gestalteten sich zu Raucherpausen. Sie stand Abseits der Security und hatte wenig Interesse mehr an sozialen Austausch, welcher meist mit einem Abstandskommando gestört wurde. Ein Kollege fuhr im selben Bus aus Ihrer Ortschaft zur Fabrik, jedoch hörte dieser sich am liebsten selbst Reden und unterhielt in voller Lautstärke die gesamten Verkehrsmittel. Dieser hatte seine Vergangenheit und einen Pandemieverlust zu verarbeiten. Die übliche Anrede unter männlichen Kollegen war Kollege, was Larissa als primitiv empfand. Auch das übergestülpte Du für alle, wollte mit Larissas Gewohnheiten nicht harmonieren.

Isoliert in ihrer Legebatterie packte sie Pakete bis zur Erschöpfung. Es war der kommende Abend, wo die Arbeitsschichten sich ablösten und der Parkhauswahnsinn mit Gehupe und Drängeln im vollem Gange war, als Larissa das erste mal in eine Kamera lief und direkt reinschaute. Was für eine seltsame Begegnung und ab da fand sie keinen unbeobachteten Augenblick mehr.


 

(ENDE)

© 2021 by SGMBITS

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